Ezra Pound in Wörgl

Ezra Pound bei einem Besuch in Wörgl mit Rosa Unterguggenberger vor deren Geschäft

Der amerikanische Dichter Ezra Pound stellt das Experiment von Wörgl in den Mittelpunkt seiner dichterischen Wirtschaftskritik - als Lichtblick in der Geschichte, als Gegenbeispiel zu Kapitalismus und Sowjetwirtschaft.
Niedergeschrieben in den weltbekannten "Pisaner Gesängen", die er 1945 im Militärlager in Pisa nach Wochen menschenunwürdiger Haft in der Todeszelle und im "Gorillakäfig" niederschrieb. Ezra Pound war zwei Mal in Wörgl, 1935 und 1936, um sich an Ort und Stelle zu informieren. Im LXXIV. der "Pisaner Gesänge" schreibt Pound, der zu den repräsentativsten Dichtern der Weltliteratur unseres Jahrhunderts zählt:
... der Staat braucht nicht borgen noch brauchen Veteranen eine Staatsgarantie für Privatpump zu Wucherzinsen. In der Tat liegt hier der Hase im Pfeffer. Der Staat braucht nicht borgen, wie Wörgls Bürgermeister nachwies, der Milch lieferte und dessen Frau Hemden und Lederhosen handelte und auf dessen Bücherbord das Leben Henry Fords stand und eine Ausgabe der Göttlichen Komödie und die Gedichte von Heine.
Eine nette, kleine Stadt im Tirolischen, in einer weiten Talsohle gelegen nahe bei Innsbruck. Und als ein Schein der Kleinstadt Wörgl in Innsbruck über die Theke wanderte und der Bankier es wahrnahm, geriet der Geldklüngel Europas aus dem Häuschen.
Keiner - sprach die Frau Bürgermeister - in diesem Dorf, der einen Artikel schreiben könnte. Wußten, daß es Geld war, doch gaben vor, es sei keins, um nicht am Gesetz anzuecken.
© Stadt Wörgl

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