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Villa Rustica im Unterkrumbacher Anger

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Mauer der Villa Rustica in Wörgl - Grabung 1949
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Name Villa Rustica im Unterkrumbacher Anger
Standort 6300, Wörgl
Kategorie Geschichte
Beschreibung
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Mauer der Villa Rustica in Wörgl - Grabung 1949
Mauer der Villa Rustica in Wörgl - Grabung 1949
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Sigillatabruchstück der Villa Rustica in Wörgl - Grabung 1949
Sigillatabruchstück der Villa Rustica in Wörgl - Grabung 1949
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Alte Wörgler Flurkarte mit den Feldquadraten der Villa rustica und des Dallnhofes
Alte Wörgler Flurkarte mit den Feldquadraten der Villa rustica und des Dallnhofes
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Grundriss der Villa Rustica von der Ausgrabung 1842
Grundriss der Villa Rustica von der Ausgrabung 1842
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Beschreibung

Auszug aus einem Bericht von Leonhard Franz (1895 - 1974), Ordinarius für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck im Wörgler Heimatschriftchen II. - Von der Besiedelung:

Ein römerzeitlicher Bau ist in Wörgl 1842 zutage gekommen. Der im Tiroler Landesmuseum zu Innsbruck verwahrte handschriftliche Bericht des Wörgler "Antiquitäten-Vereins" (vom 22. Dezember 1842) erwähnt, das "auf den Wörgler Ackerfeldern in einer Länge von ungefähr 300 Klaftern mit dem Pflug sowohl Ziegel von seltener Form als auch Bausteine in großer Menge ausgeworfen worden" seien. Daher veranstaltete der Verein dort eine Ausgrabung, "auf dem terrassenförmigen Hügel des obgenannten Feldes". Aus dem Bericht geht hervor, dass der Grabungsplatz der heutige Anger des Unterkrumbacherhofs in Wörgl gegenüber dem Lichtspieltheater war. Die Bodenterrasse gibt sich noch heute schwach zu erkennen.

Die Ausgräber von 1842 stießen auf Mauern und verfolgten sie gegen Süden, doch nicht zur Gänze, "weil nahe auf einer kleinen Anhöhe ein Haus besteht, welches untergraben werden müsste." Dieses Haus, ein Zugebäude des Bauernhofes, steht heute noch. Nach dem Bericht von 1842 sind in ihm römische Ziegel vermauert.

Die alten Mauern im Boden wurden in einer Ausdehnung von einigen Metern ausgegraben und erwiesen sich als römisch. Der dem erwähnten Grabungsbericht beigegebene Plan zeigt, das das Gebäude mehrräumig war. Die in den Räumen I - V vorgefundenen Reste von Wandmalereien lassen auf einen Wohnbau schließen. Er war laut Bericht von 1842 aus "polygonen Steinblöcken" erbaut, die "regelmäßig und in horizontalen Schichten" übereinandergelegt waren. Aus dem in den Räumen liegenden Schutt und den Steinmassen als auch aus der Mauerdicke von 1 Fuß, 8 Zoll (also rund 52 Zentimeter) glaubt der Berichterstatter von 1842 schließen zu können, dass das Gebäude nur ein Geschoß gehabt hatte. Der Fußboden in allen Räumen war fester, feingeschliffener Estrichboden. Die Bemalung der Innenwände bestand nach dem Bericht "aus schwarzen und braunen Bändern und einfachen vierblättrigen Blumen von dunkelbrauner Farbe" sowie aus weißen, grünen und roten Blumen auf zinnoberrotem Grund, also einer schlichteren, auch in Bregenz und auf dem Zollfeld bei Klagenfurt nachgewiesenen Zimmerbemalung ohne figurale Szenen.

In einer Ecke des Raumes X stand etwas, was die Ausgräber als Backofen gedeutet haben. Das ist nicht unglaubwürdig, denn man kennt heute von anderwärts, z.B. aus der Schweiz, durch neuere Ausgrabungen römische Gebäude, die in einer Ecke eines Raumes einen zum Backen und Kochen eingerichteten Herd hatten.

In Raum VI des Wörgler Gebäudes ist den Ausgräbern aufgefallen, dass die eine Hälfte des Fußbodens hohl gelegt war. Das ist die bei den Römern übliche, in Nordtirol nur noch in der spätrömischen Nachschubstation Teriolis auf dem Martinsbühel bei Zirl nachgewiesene Art der Warmluftheizung: von einer Feuerstelle (praefurnium) her wurde warme Luft durch die Kanäle unter dem Fußboden durchgeleitet, ebenso durch Hohlziegel in den Wänden.

Waren die Beobachtungen durch die Ausgräber richtig, so hatte nur der kleine Raum VI diese so genannte Hypokaustheizung. Das war das in Gebäuden des Römerreichs so oft nachgewiesene Kleinbad, und zwar das Warmbad (caldarium). Ob in dem Wörgler Bau auch das bei den Römern übliche, an das caldaerium anschließende Kaltwasserbad (firgidarium) vorhanden war, geht aus dem Bericht von 1842 nicht hervor. Es sit möglich, dass der dem Raum VI, also dem Warmbad benachbarte Raum V das frigidarium gewesen ist.

An Kleingegenständen wurden 1842 in dem Gebäude gefunden: Ziegel, bronzene und eiserne Gegenstände, Bruchstücke von Tongefäßen, darunter ein Sigillatafragment mit der Darstellung eines Ringkämpfers, und eine flache Sigillataschale, die in der Mitte eine Inschrift hatte; von dieser sind angeblich noch die drei ersten Buchstaben BAN zu lesen gewesen. Drei im Museum Innsbruck verwahrte, mit der Bezeichnung "Wörgl, Krumbacher Feld" versehene, schwere eiserne Radnabenbeschläge dürften ebenfalls von dieser Grabung herrühren.

Die Buchstaben BAN auf der erwähnten Sigillataschale sind der nach römischem Brauch abgekürzte Name des Keramikfabrikanten. An Sigillata-Töpfern, deren Namen mit Ban beginnen, sind durch Funde anderwärtig bezeugt: Banasius in Aquincum - Ofen (Zeit unbestimmt), Banillus in Speyer (Zeit unbestimmt), Banoluccus in Augsburg, Bregenz, in der Schweiz und in England (Zeit: um 150 n. Chr.), Banvillus in Engaldn und Frankreich (Zeit: erste Hälfte des 2. Jh. nach Chr.), Banvus in England und Frankreich (Zeit wie Banvillus). Für das Wörgler Gefäß ist em ehesten an Banoluccus zu denken, weil Ware dieses Töpfers in Augsburg gefunden worden ist, der Hauptstadt der römischen Provinz Rätien.

Das Bauwerk in Wörgl war das Wohngebäude eines kleinen Gutshofs, eine so genannte 'villa rustica'. Man hat schon viele römische Gutsbezirke untersucht, z.B. in Westdeutschland, wo die Größe der Herrenhäuser von 21 mal 22 Meter bis 60 mal 110 Meter schwankt. Das Wörgler Gebäude ist mithin zu den kleineren zu rechnen, allerdings kennen wir seine Gesamtausdehnung nicht.

Im Juni 1949 haben wir auf dem Anger des Unterkrumbachhofs eine kleine Grabung durchgeführt, um womöglich den Bericht von 1842 nachzuprüfen. Wir stießen nördlich von dem Zugebäude tatsächlich auf eine Mauerecke. Die Längsmauer ist auf sechs Meter ausgezeichnet erhalten. Sie sist achtzig Zentimeter hoch, siebzig Zentimeter breit und besteht aus Geröllsteinen; nur hin und wieder steckt ein grob zurechtgehauener Stein in ihr. Die oberste Steinlage der Mauer ist schmäler als die untere, so dass nach außen (nicht auch nach innen, wo sie glatt verläuft) eine zehn Zentimeter breite Leiste entstand. Die Mauer ist gemörtelt nd auf der Außenseite mit Mörtel verstrichen. Das Gebäude war also nach Anlage und Bauweise verschieden von den rätischen Häusern in Vill bei Innsbruck und auf der Birge bei Birgitz.

An der Innenseite der Mauer kamen Ziegelbruchstücke, darunter solche von Heizungsziegeln, zum Vorschein, dann Ziegelfliesen mit eingeritzten Linien, die besseres Haften des Bewurfs gewärhrleisten sollten - man kennt solche Fliesen auch aus Wilten - Eisennägel, ein kleines Bruchstück einer römischen Weinamphore und ein Bruchstück einer römischen Figurenschüssel aus roter Sigillata. Die Ausgräber von 1842 haben Kleinfunde also nicht sehr sorgfältig aufgelesen und es würde sich daher lohnen, die Stelle noch einmal ganz aufzugraben.

Von den neuen Funden ist das wichtigste das Sigillatabruchstück, weil es eine ungefähre Datierung erlaubt. Nach der auf dem Scherben, gleich dem anderen Zierwerk auf ihm in flachem Relief gegebenen Gestalt des Mars mit Lanze, Schwert, Helm und Mantel, kann als Werkstätte der Schale die Töpferei von Westerndorf bei Rosenheim (zweite Hälfte des 2. Jh. n. Chr.) angenommen werden, weil dort Sigillaten mit solchen Mars-Darstellungen verfertigt worden sind. Die Schale stellt sich ihrer Zeit nach neben die Banoluccus-Sigillata. Die Villa rustica in Wörgl dürfte mithin um die Mitte des 2. Jh. bestanden haben, wenn sie damals nicht überhaupt erst errichtet worden ist. Da der Friedhof in Egerndorf nach unserer derzeitigen Kenntnis ungefähr zur gleichen Zeit endet, möchte man fast an eine damals erfolgte Verlegung der Egerndorfer Niederlassung nach Wörgl denken.

Der Wörgler Römerbau lag in einem jener quadratischen Felder von 230 Meter Seitenlänge, welche Dr. Bachmann auf römische Flureinteilung zurückführt. Diese Quadratfelder, von denen das beim Dallnhof noch heute im Gelände zu erkennen ist, während das zu dem Römerhaus gehörige infolge Parzellierng und Verbauung sich nur mehr in der alten Flurkarte deutlich sehen lässt, beweisen, dass das Land systematisch vermessen und aufgeteilt worden war, und zwar geschah dies wahrscheinlich nicht gleich nach der Okkupation; da der Gutshof innerhalb eines solchen Feldgevierts lag, beide mithin zusammen gehörten, und der Gutshof nicht vor der Mitte des zweiten Jahrhunderts zu datieren sein dürfte, wird auch die Landvermessung nicht früher erfolgt sein. Vielleicht ward sie vorgenommen, als infolge der Germanengefahr seit 166 das Unterinntal für die Römer besondere Bedeutung erlangte und eine straffere Durchorganisierung des Gebietes aus militärischen und fiskalischen Gründen erwünscht war. Die Wörgler Quadratfelder beweisen auch, dass die Römer keine Rücksicht auf eine schon vorhandene Siedlung zu nehmen brauchten. Tatsächlich fehlen aus Wörgl, zum Unterschied von Egerndorf, vorrömische Funde, bis auf eine bronzene Lappenaxt, die 1930 beim Grundaushub in der Stumpfstraße 7 in zwei Meter Tiefe angetroffen wurde.

Das Feld, in dem der Gutshof lag, hatte einen Flächeninhalt von fünf Hektar, man kann daher den Eigentümer des römischen Hofs gewiss nicht als Großgrundbesitzer bezeichnen. Bei Friedberg in der Wetterau (Hessen) ist in vier Ackerquadraten je ein römisches Gebäude gefunden worden. Da es in Wörgl ebenfalls mehrere Quadratfelder gibt, kann man auch hier das ehemalige Vorhandensein mehrere Höfe annehmen.

Quellen

  • Dr. Leonhard Franz - Wörgler Heimatschriftchen II. - Von der Besiedelung

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