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Die Besiedelung der Wildschönau

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Standort 6311, Wildschönau
  Kirchen, Oberau 116
URL http://www.wildschoenau.gv.at
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Die Besiedlung der Wildschönau

Aus der Geschichte der Wildschonau

Ungefähr im Jahre 1190 machte ein bayerischer Graf eine Schenkung an das Kloster Herrenchiemsee. Unter den Zeugen, die bei diesem Anlaß anwesend waren und die in der betreffenden, undatierten Aufzeichnung aufgezählt wurden, befand sich auch ein Adalbert aus der Wildschönau.Auf diese Weise ist uns zum ersten Mal der Name unseres Tales überliefert - vor etwa 800 Jahren, aber eben nur zufällig, denn viele ähnliche Schriftstücke sind inzwischen verloren gegangen. Die Wildschönau ist also nicht erst 800 Jahre alt. Ihre „Gründung“ reicht zumindest bis in die Zeit um das Jahr 1000 zurück, als ebenfalls ein reicher bayerischer Adeliger das Kloster Seeon in der Nähe des Chiemsees stiftete. Zur Ausstattung dieser Gemeinschaft der Benediktinermönche dürfte auch ein damals wohl noch weitgehend unbesiedeltes Gebiet im Gebirge gehört haben, das in der Folge systematisch kolonisiert wurde. Die geistlichen Herren besorgten allerdings dieses Geschäft nicht selbst, sondern es fanden sich genügend Bauern, welche die Rodung des Wald- und Sumpfgebietes durchführten - eine ungeheuere Arbeitsleistung angesichts der damals zur Verfügung stehenden Werkzeuge. Für ihren entbehrungsreichen Einsatz erhielten die Neusiedler die weiterhin im Obereigentum des Klosters Seeon stehenden Höfe zu einem verhältnismäßig günstigen Zins übertragen. Der Grundbesitz des bayerischen Klosters in der Wildschönau reichte vom Lahnergut in der Niederau über Oberau und Auffach bis zum Marchbauern in Thierbach. Östlich des Lahnergutes sowie westlich von March gehörten die meisten Höfe dem Herzog von Bayern. Im 13. Jahrhundert war wohl bereits ein guter Teil der heute kultivierten Flächen in der Wildschönau gerodet, und in der Folge wurden die Wiesen, Felder und Äcker noch etwas erweitert und intensiver bewirtschaftet, sodaß die ursprünglichen Einzelhöfe in mehrere Einheiten aufgeteilt werden konnten. Es entstanden in besonders günstigen Lagen Weiler, wie etwa in Marchbach, Mairhof und Wildenbach in Niederau sowie in Haus, Endfelden, Kirchen, Dorf, Straß und Egg in Oberau. Waren die natürlichen Voraussetzungen für eine derartige Vermehrung der Höfe nicht gegeben, so entschloß man sich doch sehr oft zu einer Zweiteilung. Die vielen Doppelhöfe mit der Beifügung Ober- und Unter- oder Hinter und Vorder- halten diese Entwicklung deutlich fest. Die ältesten Höfe im Tale hatten an den Grundherrn zumeist einen auf den ersten Blick überraschenden Zins zu leisten. Sie waren zur Lieferung von Wein verpflichtet. Dabei dürfte es sich doch eher um Rebensaft gehandelt haben, der in Südtirol gewachsen war und von unseren Bauern erworben und dann als Zins abgeführt wurde, und nicht um Wein, den die damaligen Wildschönauer selbst produziert hatten. Unter den weinzinsenden Höfen befand sich etwa auch der Holzalmbauer in Thierbach -heute noch der höchstgelegene landwirtschaftliche Betrieb in der Gemeinde auf etwa 1.300 Metern Seehöhe. Direkt aus der Wildschönau stammte aber zweifellos der Käse, den vor allem die sogenannten Schwaighöfe zu liefern hatten.Diese gehörten einer späteren Ausbauphase seit dem 12/13. Jahrhundert an und befanden sich vor allem in der heutigen Fraktion Auffach. Es handelt sich dabei um landwirtschaftliche Spezialbetriebe, die sich ausschließlich der Vieh- und Milchwirtschaft widmeten, und Milchprodukte waren in früherer Zeit nur in Form von Hartkäse für längere Zeit halt- und transportierbar.Verhältnismäßig früh spielte in der Wildschönau zudem die Almwirtschaft eine Rolle. Zu den bäuerlichen Gütern traten noch im Mittelalter die Kirchen, die in Oberau und Niederau spätestens im 14. Jahrhundert errichtet wurden. Mühlen nutzten außerdem die Wasserkraft, und auch der eine oder andere Schmied dürfte sich schon bald entlang der Bäche angesiedelt haben. Auf dem Keller in Oberau, wo seit alters her der Vertreter des Abtes von Seeon seinen Sitz hatte, sowie bei der Kirche in Niederau sorgte je eine "Tafern" --ein Wirtshaus -für das leibliche Wohl der damals wohl noch eher seltenen Gäste. Mit dem Aufblühen des Bergbaus in Thierbach seit dem 16. Jahrhundert kam ein neuer Akzent in das Wildschönauer Wirtschaftsleben. An den Abhängen des Gratlspitz baute man Silber- und Kupfererze ab, die in Brixlegg verhüttet wurden. In Oberau existierte in der Mitte des 18. Jahrhunderts vorübergehend sogar eine Leinwandfabrik, die vielen Heimarbeitern Beschäftigung bot.Aber weiterhin beherrschte eindeutig die Landwirtschaft im abgelegenen Hochtal das Leben aller Bewohner. Der Bergbau wurde wegen mangelnder Rentabilität im 19. Jahrhundert aufgelassen. Das Jahr 1809 konfrontierte die Wildschönau erstmals in größerem Ausmaß mit dem Krieg und allen seinen Folgen. in beträchtlicher Zahl beteiligten sich die männlichen Bewohner des Tales an der Beseitigung der verhaßten französischen und bayerischen Fremdherrschaft. Wildschönauer Aufgebote standen an verschiedenen Brennpunkten der Kämpfe des Tiroler Heldenjahres im Einsatz.Tote und Verwundete gab es damals aber nicht nur in der Heimat im Gefolge des Tiroler Aufstandes, sondern anschließend auch in Rußland und Deutschland, wo Wildschönauer als unfreiwillige Soldaten im Dienste Napoleons starben. Erst das ausgehende 19. Jahrhundert brachte sodann wesentliche Änderungen für die Menschen im Tal, wobei der Bau der Fahrstraße von Wörgl die entscheidende Wende anzeigte. Das weitgehend isolierte, auf sich selbst gestellte Seitental wurde nun schrittweise in die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung eingebunden. Die bis dahin übliche Selbstversorgung trat mehr und mehr in den Hintergrund, die eigenen Produkte konnten nach auswärts verkauft werden, und mit dem damit erzielten Geld erwarb man bisher unbekannte Güter. Ganz neue Dimensionen eröffneten die im Laufe des 20. Jahrhunderts weiter ausgebauten Straßenverbindungen dem Fremdenverkehr. Damit setzte die Konjunktur eines Wirtschaftszweiges ein, der vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg das Leben aller Bewohner der Wildschönau direkt oder indirekt völlig veränderte.

Univ. Prof. Dr. Josef Riedmann


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