Die Arme-Seelen-Sage

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Standort 6300, Wörgl
Kategorie Sage
Beschreibung
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Einleitungstext

Die Arme-Seelen-Sage wurde von Hans Federer in seinem Heimatschriftchen mit Bezug auf die Festschrift zur Markterhebung von Dr. Paul Weitlaner abgedruckt.

Text

Im Walde des Weilers Lahntal unweit von Wörgl war einst ein armer Holzhauer beschäftigt, der ebenso fromm wie heiteren Sinnes war. Jedermann bot er mit fröhlicher Miene den frommen Weggruß: "Gelobt sei Jesus Christus" und tat das zum Heile der armen Seelen. Wenn ihm aber ein Wanderer darauf nicht antwortete, so rief der Holzhauer wohl manchmal spottend aus: "Wo willst du hin, verlorne Seel'? Bist du vielleicht ein Jud?" Bei seiner Arbeit pfiff und sang der der Holzhauer, dass es gar lustig durch den Wald hinschallte.

Es kam die Mittagsstunde, der Mann ließ die Axt ruhen, sprach einen Segen und begann sein schlichtes Mahl zu verzehren, das aus einem Stück trockenen Brotes bestand, welches er mit dem kühlen Trunke aus einer nahen Quelle befeuchtete, aus der er mit hohler Hand schöpfend seinen Durst löschte.

Da vernahm er nahe bei sich ein tiefes Seufzen. Er horchte auf. "Gelobt sei Jesus Christus!" rief der Holzhauer. "Und in Ewigkeit!" klang es in einem schauervollen Ton zurück - und zugleich wurde jener einer uralten, verschrumpften, zitternden Menschengestalt ansichtigt, die so grau war, wie ein bemooster Baumstamm - und seufzend sprach: "Ewigkeit, Ewigkeit."

"Wer bist du? Was willst du?" fragte der Holzhauer und die Gestalt seufzte: "Oh, oh! Du konntest mich erlösen und hast es nicht getan; du hast mich nicht angesprochen. Siehe, wie diese Tanne hier am Boden liegt, gefällt von deiner Hand - wie sie Zapfen trägt! Aus einem dieser Zapfen muss ein Samenkorn fallen, Wurzeln schlagen, Baum werden, stark werden, gefällt werden, eine Wiege daraus gezimmert werden - und erst das Kind, das in dieser Wiege gewiegt wird - erst das kann mich erlösen. So lange muss ich Pein leiden, so lange noch, oh so lange, o Ewigkeit!"

Mit diesen Worten verschwand die Gestalt und dem Holzhacker lief es kalt über den Nacken. Er pfiff und sang nicht wieder, aber sprach jeden Tag mehr al ein Vaterunser zum Heile der armen Seelen und dadurch zu seinem eigenen Seelenheile.

Quellen

  • Dr. Paul Weitlaner - Die Marktgemeinde Wörgl

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